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Eine Delle im Lack nervt jedes Mal, wenn du sie siehst. Bei mir war es eine kleine, aber fiese Delle im Türholm über der Fahrertür, die ich mir seit dem Kauf meines Autos vor anderthalb Jahren beim Einsteigen immer wieder angeschaut habe. Lackieren wollte ich dafür nicht, also bin ich zu Michael Marx, kurz Micha, nach Bad Rappenau gefahren. Er macht seit über zehn Jahren Dellen drücken, also PDR, und bietet inzwischen auch PDR Schulungen an, in denen du das Dellen drücken selbst lernen kannst. Hier zeige ich dir, wie er arbeitet und was du über seine Schulung wissen solltest.
Dellen drücken, auf Englisch Paintless Dent Repair oder kurz PDR, heißt: Die Delle wird aus dem Blech herausgearbeitet, ohne dass gespachtelt oder lackiert wird. Der Originallack bleibt drauf. Micha nennt das Ausbeulen ohne Lackieren nicht ohne Grund die Königsdisziplin, denn es braucht viel Gefühl und Erfahrung.
Grundsätzlich gibt es zwei Wege, eine Delle rauszubekommen. Entweder du drückst sie von hinten mit Hebelwerkzeugen heraus, das ist die Hebeltechnik. Oder du ziehst sie von vorne mit Klebepads heraus, das ist die Klebetechnik.
Am Auto hatten wir zwei Dellen, und für jede hat Micha eine andere Technik gewählt. Die Delle im Kofferraumdeckel war relativ groß, dort kommt man aber von innen ran, also Hebeltechnik.
An die Delle im Türholm kommst du von hinten nicht ran, hier muss die Klebetechnik ran. Dafür wird ein spezieller, hochfester Industriekleber verwendet, mit dem das Klebepad auf der Delle befestigt wird. Anschließend wird über das Pad mit einem Zugwerkzeug gezogen.
Wichtig ist auch das Material. Bei modernen Autos werden viele Teile geklebt, und es wird viel mit Aluminium und Kunststoffen gearbeitet. Alu ist deutlich anspruchsvoller als Stahlblech, man ist einfach länger dran. Deshalb rechnet Micha bei Alu in der Regel mit einem Aufschlag von etwa 25 Prozent. Dazu kommt: Jeder Hersteller ist anders. Ein VW reagiert anders als ein BMW oder Mercedes, ein japanisches oder amerikanisches Auto wieder anders, und auch zwischen älteren und neueren Fahrzeugen gibt es Unterschiede. Auch die Materialstärke spielt eine große Rolle.
Micha hat uns sein Equipment gezeigt: verschiedene Hebel und Drückeisen in unterschiedlichen Längen und Formen für die Hebeltechnik, Klebepads in verschiedenen Größen für die Klebetechnik und eine spezielle Lampe, mit der man die Delle überhaupt erst richtig sieht. So ein Satz lässt sich laut Micha quasi unendlich erweitern, was du brauchst, hängt von der Größe des Schadens ab.
Für die Klebetechnik kommen noch der Heißkleber, ein Zugwerkzeug, ein Hammer mit Stift zum Zurückklopfen und ein Lösemittel dazu, mit dem der Kleber nach dem Ziehen wieder entfernt wird.
So ist Micha bei meiner Delle im Türholm vorgegangen:
Bei großen Dellen arbeitet Micha kreisförmig von außen nach innen. Kleine, konzentrierte Dellen kann man dagegen auch direkt in der Mitte packen und ziehen. Welcher Weg der richtige ist, hängt davon ab, wie die Delle geformt ist und wie tief die Beschädigung ist. Und genau da kommt die Erfahrung ins Spiel.
Das Ergebnis bei mir: Die Linie im Türholm ist wieder komplett gerade, und von der Delle sieht man nichts mehr.
Für die Delle im Kofferraumdeckel hat Micha zuerst die Innenverkleidung entfernt, damit er überhaupt von hinten an das Blech kommt. Dann hat er den Kofferraumdeckel fixiert und ein Widerlager angebracht, an dem er den Hebel ansetzen kann. Danach hat er die Delle Schritt für Schritt herausmassiert, über die gesamte Fläche verteilt, und dabei gleichzeitig darauf geachtet, dass die Struktur der Oberfläche, also die typische Orangenhaut des Lacks, wieder zum Rest passt.
Obwohl der Deckel aus Alu ist, ging das relativ schnell, weil die Delle eher großflächig und weich war und die Stelle sehr gut zugänglich ist. Etwas Spannung war noch im Blech, die musste er wieder entlasten, damit sich alles sauber zurückformen lässt. Am Ende war die Delle im Kofferraumdeckel perfekt entfernt.
Micha arbeitet ständig mit der Lampe. Die Streifen der Lampe spiegeln sich im Lack, und jede noch so kleine Unebenheit verzerrt diese Linien. So sieht man, wo noch eine Delle ist, wo man zu weit gezogen hat und wo die Oberfläche noch unruhig ist. Und so lange Micha sie in der Lampe noch sieht, ist er nicht fertig.
Dazu kommt ein Effekt, den viele unterschätzen: Das Blech muss ja irgendwoher kommen. Wenn du an einer Stelle drückst oder ziehst, entstehen teilweise leichte Einschnitte in anderen Bereichen. Dellen drücken ist ein ständiges Wechselspiel aus Ziehen, Drücken, Klopfen und Kontrollieren.
Aus Michas Erklärungen lassen sich ein paar klassische Fehler ableiten:
Wenn du siehst, wie viel Erfahrung in jedem Zug steckt, wird klar: Einfach ein Set kaufen und an deinem eigenen Auto loslegen, ist keine gute Idee. Micha sagt selbst, dass nicht jeder das Zeug dazu hat.
Viele Dellendrücker rechnen nach Größe der Delle ab, Micha dagegen nach Zeitaufwand, weil manche Dellen nach ein paar Handbewegungen draußen sind und andere viel länger dauern als gedacht. Wenn Teile demontiert werden müssen, kommen gegebenenfalls Montagekosten dazu. Bei Hagelschäden prüft er das Gutachten nach, zählt jede einzelne Delle, dokumentiert das schriftlich und verhandelt bei Bedarf auch mit der Versicherung nach.
Mit routinierten Hageldrückern im Akkord will Micha sich nicht messen, er übernimmt dafür kompliziertere Sachen wie heftige Einschläge, bei denen auch mal eine Tür raus muss.
Wenn du das Dellen drücken richtig lernen willst, bietet Micha eine PDR Schulung an. Das hat er mir im Video so erklärt:
Micha ist da ehrlich: Er sieht nach eigener Aussage sehr schnell, ob jemand das Zeug dazu hat, und sagt es dann auch. Die Schulung soll dir die Grundlagen geben, damit du sie danach in die Tat umsetzen kannst. Und auf meine Frage, ob man das nach einer Pause verlernt, meinte er: Wenn du einmal verstanden hast, wie Blech funktioniert, klappt das auf jeden Fall, vielleicht bist du nur nicht mehr ganz so schnell.
Micha findest du mit seiner Detailing Crew auf der Website der Detailing Crew und auf Instagram. Bei Interesse an Schulung oder Reparatur meldest du dich direkt bei ihm. Was Micha sonst noch draufhat, siehst du in meinem Beitrag zur Auto Innenreinigung mit Micha Marx und zum Auto polieren mit Exzenter und Rotationspoliermaschine.
Dellen drücken sieht leicht aus, steckt aber voller Erfahrung: die richtige Technik wählen, das Material einschätzen, in kleinen Schritten arbeiten, überziehen und zurückklopfen und alles immer wieder mit der Lampe kontrollieren. Meine Delle im Türholm ist nach anderthalb Jahren endlich weg, und die im Kofferraumdeckel gleich mit, ganz ohne Lackieren.
Wenn du wissen willst, wie du Kleberreste sicher vom Lack bekommst, lies dir meinen Ratgeber Aufkleber und Kleberreste vom Auto entfernen, ohne Lackschaden durch. Und wenn du selbst einsteigen willst, ist die PDR Schulung bei Michael Marx ein guter Weg, das Dellen drücken zu lernen.
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