Zweimal im Jahr ist es wieder so weit: Die Räder müssen runter und die anderen drauf. Viele fahren dafür in die Werkstatt, dabei ist ein Räderwechsel wirklich kein Hexenwerk. Ich mache das seit Jahren selbst und zeige dir hier Schritt für Schritt, wie ich vorgehe, welches Werkzeug du wirklich brauchst und wo die typischen Fehler lauern.
Die Liste ist kürzer, als viele denken. Ein ordentlicher Wagenheber, ein Radkreuz oder ein Radmutternschlüssel zum Lösen, passende Nüsse für deine Radschrauben und ein Drehmomentschlüssel für das Festziehen am Ende. Dazu etwas Fettkreide zum Markieren, eine Drahtbürste und falls dein Auto Felgenschlösser hat, natürlich den passenden Adapter. Such den lieber vorher raus.
Bei den Nüssen lohnt sich ein Blick auf deine Schrauben. Gängig sind 17, 19 oder 21 mm. Ich nutze gerne Nüsse mit Kunststoffummantelung, weil blankes Metall an der Alufelge schnell Kratzer macht. Beim Tesla hatte ich keine ummantelte 21er Nuss und habe eine normale Nuss einfach abgeklebt, das geht zur Not auch.
Beim Wagenheber würde ich nicht sparen. Der Wagenheber aus dem Bordwerkzeug ist für die Panne gedacht, nicht für den Wechsel zweimal im Jahr. Ein Rangierwagenheber steht viel stabiler, lässt sich sauber ansetzen und kontrolliert ablassen. Ich habe lange den BGS 2889 Rangierwagenheber genutzt, der kommt durch seine flache Startposition auch unter tiefergelegte Autos. Mehr dazu findest du in meinem Beitrag zum BGS 2889 Rangierwagenheber für tiefergelegte Autos.
1. Gerader, fester Untergrund. Das Auto muss auf einer ebenen Fläche stehen. Handbremse rein, Gang einlegen oder bei Automatik auf P.
2. Radschrauben im Stand lösen. Ganz wichtig: Das Auto steht noch mit allen Rädern auf dem Boden. Mit dem Radkreuz jede Schraube kräftig anlösen, aber noch nicht rausdrehen. Ich gehe dabei über Kreuz vor, also immer zur gegenüberliegenden Schraube. Hängt das Rad schon in der Luft, dreht es sich nur mit und du bekommst die Schrauben nicht los.
3. Wagenheber richtig ansetzen. Jedes Auto hat bestimmte Aufnahmepunkte, meistens am Schweller und oft mit einer kleinen Markierung. Bei meinem Z4 gab es keine Markierung außen, da musste ich mich neben das Auto legen und nachschauen, wo die Aufnahme sitzt. Im Zweifel schau ins Handbuch. Bei Elektroautos gilt ganz besonders: niemals an der Batterie anheben. Worauf du da achten musst, zeige ich dir im Beitrag Wagenheber für Elektroautos und tiefergelegte Autos.
4. Anheben, aber nur so weit wie nötig. Ich pumpe das Auto nur so hoch, bis das Rad frei ist und nicht mehr am Boden schleift. Und ganz klar: Unter ein Auto, das nur auf dem Wagenheber steht, legt man sich nicht. Wer drunter arbeiten will, nimmt Unterstellböcke.
5. Schrauben rausdrehen, unten anfangen. Jetzt drehe ich die Schrauben komplett raus und fange unten an. Löst du zuerst die oberen, kippt das Gewicht der Felge nach unten und die letzten Schrauben verkanten. Die Felge halte ich dabei mit dem Fuß gegen, damit sie mir nicht entgegenfällt.
6. Sichtprüfung und Nabe reinigen. Wenn das Rad runter ist, schaue ich mir Reifen und Bremse kurz an. Steckt ein Steinchen im Profil, kommt es raus, steckt eine Schraube drin, muss der Reifen getauscht werden. Die Auflagefläche an der Nabe bürste ich mit der Drahtbürste ab, damit die Felge wirklich plan anliegt.
7. Neues Rad aufsetzen. Ich drehe die Nabe so, dass ein Loch oben steht, und setze die Felge passend drauf. Dann die erste Schraube oben per Hand eindrehen, danach die anderen, ebenfalls über Kreuz. Bitte wirklich per Hand und nicht gleich mit dem Schlagschrauber. Eine schräg angesetzte Schraube ruiniert dir das Gewinde, das habe ich bei einer Werkstatt schon erlebt.
8. Vorziehen und ablassen. Mit dem Radkreuz die Schrauben über Kreuz leicht anziehen, dann den Wagenheber langsam ablassen. Wirklich langsam, damit das Auto nicht mit einem Rums runterkommt.
9. Mit Drehmoment festziehen. Jetzt kommt der Drehmomentschlüssel. Das richtige Anzugsdrehmoment steht in der Betriebsanleitung oder bekommst du beim Hersteller. Bei meinem BMW waren es 110 Nm, bei anderen Autos kann das ganz anders aussehen, also bitte nicht einfach übernehmen. Auch hier wieder über Kreuz, bis es klickt. Danach den Drehmomentschlüssel wieder auf den kleinsten Wert stellen, damit die Feder entspannt.
10. Luftdruck und Markierung. Luftdruck prüfen und anpassen, die Werte findest du meist im Türholm oder im Tankdeckel. Die abmontierten Räder markiere ich mit Fettkreide auf der Innenseite, zum Beispiel VL für vorne links.
Ein Punkt, den viele vergessen: Nach den ersten 50 bis 100 km solltest du die Radschrauben noch einmal mit dem Drehmomentschlüssel kontrollieren. Gerade bei Alufelgen kann sich die Verbindung am Anfang noch etwas setzen.
Schrauben erst lösen, wenn das Auto hochgebockt ist. Dann dreht sich das Rad nur mit.
Falscher Ansetzpunkt. Wer irgendwo am Unterboden ansetzt, drückt sich im schlimmsten Fall eine Delle rein.
Schrauben mit dem Schlagschrauber reinballern. Erst per Hand eindrehen, am Ende mit Drehmoment festziehen.
Ohne Drehmomentschlüssel festziehen. Nach Gefühl wird es entweder zu locker oder zu fest. Beides willst du nicht.
Räder nicht markieren. Im nächsten Jahr weißt du sonst nicht mehr, was wohin gehört.
Wie ich den Wechsel mit dem Schlagschrauber und Kompressor mache, zeige ich dir in meinem Beitrag Winterreifen Wechsel leicht gemacht. Fährst du einen Tesla, schau dir unbedingt meinen Tesla Model 3 Räderwechsel an, da gibt es ein paar Besonderheiten. Und bevor die abmontierten Räder in den Keller kommen, gönn den Felgen eine Reinigung. Welche Felgenreiniger bei mir am besten abgeschnitten haben, siehst du im Felgenreiniger Extrem Test.
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